Neues "Wundermittel": Alkoholiker bleiben trocken

Tierversuche erfolgreich - Hoffnung auf Tablette ohne Nebenwirkungen

JVW-1034: "Wundermedikament" gegen Sucht (Foto: utexas.edu, James Sahn)

Austin (pte015/04.05.2018/12:30) - Wissenschaftler der University of Texas at Austin utexas.eduhaben an Tieren erfolgreich ein Medikament getestet, das eines Tages die Entzugserscheinungen und das Verlangen reduziert, das Alkoholiker zum Trinken bringt. Das Medikament mit der Bezeichnung JVW-1034 könnte allein in den USA mehr als 15 Mio. Betroffenen helfen, nüchtern zu bleiben.

Molekularer Signalweg als Ziel

Sollten sich die Studienergebnisse mit Würmern und Ratten mit minimalen Nebenwirkungen auf den Menschen umlegen lassen, könnte es sich um einen wirklichen Durchbruch handeln. Die Forscher betonen jedoch, dass bis dahin noch einige Hürden zu nehmen sind. Es gibt bereits Medikamente, die gegen eine Alkoholsucht verschrieben werden. Bei vielen Patienten sind diese laut den Studienautoren jedoch nicht sehr wirksam und haben erhebliche Nebenwirkungen.

JVW-1034 zielt auf einen anderen molekularen Signalweg im Körper ab und hat keine offensichtlichen Nebenwirkungen. Die Forscher haben bereits um ein Patent angesucht. Das Mittel ist zwar vielversprechend, die Experten planen jedoch bereits die chemischen Eigenschaften zu optimieren, um eine bessere Wirksamkeit beim Menschen zu erzielen.

Ihr Ziel wäre eine Tablette, die einmal am Tag eingenommen wird, um die Entzugserscheinungen und das Verlangen nach Alkohol zu blockieren und damit einen Rückfall zu verhindern. Derzeit ist nicht klar, ob ein derartiges Medikament Alkoholismus auch heilen könnte. Ließe sich das Medikament jedoch auch laufend oder bei Stress einnehmen, wäre das laut den Forschern ein großer Vorteil. Zusätzlich könnten so die jährlichen rund 250 Mrd. Dollar Kosten durch Alkoholmissbrauch gesenkt werden.

Süchtig machender Rezeptor

JVW-1034 wurde von den Chemikern Stephen Martin und James Sahn entwickelt. Sie vermuteten, dass der Wirkstoff mit dem Zellrezeptor Sigma 2 interagieren würde, der im zentralen Nervensystem von Tieren vorkommt. Andere Forscher hatten bereits nachgewiesen, dass dieser Rezeptor bei Kokainabhängigkeit eine Rolle spielt. Für die Tests wurden Würmer einem Alkoholrausch ausgesetzt. Luisa Scott verabreichte ihnen einen Tag Alkohol. Der Kater der Würmer wurde offensichtlich, als sie auf der anderen Seite eine wohlschmeckende Substanz platzierte und die Tiere sich träge dorthin bewegten. "Normale Würmer würden sich sehr schnell dorthin bewegen, solche mit Entzugserscheinungen bewegen sich jedoch sehr langsam."

Als die Forscherin diesen Würmern JVW-1034 verabreichte, bewegten diese sich wieder wie Würmer, die nie mit Alkohol in Kontakt gekommen waren. Bei weiteren Experimenten konnte Scott nachweisen, dass der Rezeptor Sigma 2 tatsächlich ein Ziel von JVW-1034 war. Damit wurde auch erstmals belegt, dass Sigma 2 eine Rolle bei der Sucht nach Alkohol spielt.

Das Team um Valentina Sabino testete JVW-1034 an alkoholsüchtigen Ratten. Den Tieren wurde freier Zugang ermöglicht. Das Medikament verringerte ihren Konsum in der Folge drastisch. Die Forscher entwickeln derzeit mehrere andere vielversprechende Medikamente, die auf den Rezeptor Sigma 2 abzielen. Ziel sind neue Behandlungsmöglichkeiten für andere neurologische Erkrankungen wie Schädel-Hirn-Traumata, neuropathische Schmerzen und Alzheimer. Die Forschungsergebnisse wurden in "Neuropsychopharmacology" veröffentlicht.