Dortmund – In einer Umfrage haben die Mitglieder der Freien Brauer einen Blick in die nahe Zukunft geworfen, die spannende Entwicklungen sowie neue Genusskomponenten für Verbraucher verspricht. 40 Prozent der Mitglieder sind sich in Sachen Biertrends und Themen einig, die 2012 auf der Agenda des Verbundes führender, unabhängiger Familienbrauereien stehen müssen: Eine steigende Anzahl genussorientierter Verbraucher ist auf der Suche nach regionalen Bierspezialitäten, aber auch Edelbieren, und will diese erleben – in der Brauerei oder der Gastronomie. Sie suchen darüber hinaus den Dialog mit den Brauereichefs und wollen sehen, dass deren Worte auch Taten folgen.
Anfang Oktober hat der Verbund der Freien Brauer die Mitglieder in einer Umfrage aufgerufen, die Trends, die sich bereits 2011 in der Branche als vielversprechend für die nahe Zukunft herauskristallisiert haben, zu bewerten. Neben der generellen Frage, welche Trends die Mitglieder allgemein und speziell in deren Region in Sachen Konsumverhalten beobachten, wurde auch um eine Einschätzung zu sogenannten Premiumbieren im Vergleich zu Edelbieren gebeten.
„Der Begriff ‚Premium‘ und alle Attribute, die Verbraucher früher damit verbunden haben, sind mittlerweile zur Massenware geworden und kein Qualitätsmerkmal mehr. Bei uns in der Freiburger Gastronomie haben nationale ‚Premiummarken‘ beispielsweise keine Bedeutung“, beschreibt Katharina Ganter-Fraschetti, Mitglied der Geschäftsleitung der Privatbrauerei Ganter, die derzeitige Lage, die sich sehr gut auf Deutschland übertragen lässt. In den folgenden Jahren bieten sich große Chancen für regionale Marken, vor allem im gastronomischen Bereich, da „(…) durch sogenannte Edelbiere der Biermarkt für den Verbraucher insgesamt wieder interessant wird. Die Gastronomie hat so – auch mithilfe von Biersommeliers – eine neue Möglichkeit, sich zu profilieren“, schlägt Georg Schneider, Präsident der Freien Brauer und Geschäftsführer des Weissen Bräuhaus G. Schneider & Sohn, in die gleiche Kerbe wie die Kollegin. Unter Edelbieren verstehen Die Freien Brauer besondere Bierspezialitäten oder Saisonbiere, die es nur in limitierter Auflage gibt oder die in einer besonderen Flaschenform und -größe erhältlich sind. Als erfolgreiches Beispiel kann hier das Abtei-Bier Ambrosius der Alpirsbacher Klosterbrauerei genannt werden, das sich – auch in Kombination mit einem speziellen Glas – sehr erfolgreich am Markt durchgesetzt hat.
Dennoch bilden die großen Premiumbiere nach wie vor im Handel eine breite Front, und die Bierspezialitäten werden aus jetziger Sicht in kleinen Auflagen und kleinen Gebinden zu vermarkten sein. Für Sebastian B. Priller-Riegele, Mitgeschäftsführer des Brauhaus Riegele Augsburg und amtierender Weltmeister der Biersommeliers, sind Edelbiere in erster Linie Marketinginstrumente, keine Umsatzträger. Aber sie dienen dazu, neue Zielgruppen wie bisherige Weintrinker zu erschließen und neue Distributionskanäle zu eröffnen. Sie können online versendet werden, da sich das Preis-Leistungs-Verhältnis hier anders darstellt, oder über Feinkostgeschäfte vermarktet werden. „Edelbiere sind ein großes Thema, das die Verbraucher interessiert. Zwar sind die Verkaufsmengen gering, aber zur Imagebildung sind sie sehr wichtig“, schließt sich Karl Schwarz, Geschäftsführer der Privatbrauerei Zwettl, seinem Kollegen an. Hans Firnkorn, Geschäftsführer der Haller Löwenbräu, geht sogar noch einen Schritt weiter und baut damit die Brücke zu einem weiteren Trend: „Regionalität wird Premium schlagen. Die Kunden wollen nicht nur wissen, wo etwas herkommt, sondern auch, wer dahinter steht.“
Was zählt, ist die Unternehmerpersönlichkeit und der persönliche Dialog
Einigkeit herrscht bei den Freien Brauern beim Thema Kundenansprache. Hier können gerade die Mitglieder des Verbundes – oftmals starker, unangefochtener Marktführer in der Region – ihre Stärke ausnutzen. In Freiburg bei der Privatbrauerei Ganter wird diese schon lange erfolgreich praktiziert. „Bei uns ist ‚Region‘ wichtig und das individuelle Lokal, das Gastronomiekonzept mit ‚viel Mensch‘ angesagt. Neben Regionalität setzen wir auf Direktansprache und Beziehungsmanagement. Wir wollen die Menschen in die Brauerei holen und diese als Erlebnisort inszenieren. Wir werden 2012 die Qualität durch saisonale Spezialitäten noch weiter unterstreichen“, zeigt Ganter-Fraschetti die kommunikative Vorgehensweise der Privatbrauerei auf. Um die Verbraucherbedürfnisse zu bedienen, muss das Gespräch mit dem Kunden nicht unbedingt von Angesicht zu Angesicht geführt werden. Einige der Freien Brauer kommunizieren sehr erfolgreich auf verschiedenen Social-Media-Plattformen mit ihren Kunden. So lotet beispielsweise Schneider die neuen Möglichkeiten des Web 2.0 ausgiebig aus. Regelmäßig screent er die neuen Medien und ist auf den Plattformen Twitter und Facebook aktiv präsent. Er hat sogar einen neuen Arbeitsplatz geschaffen, um die Anfragen zeitnah beantworten zu können und die Fans nicht warten zu lassen. Mit dem „Weisses Bräuhaus App“ können Gäste seit Ende 2010 die Speisekarte mit Bildern einsehen, Infos zu Veranstaltungen bekommen oder auch Rezepte herunterladen. Die ganz Spontanen können direkt über das Programm einen Tisch im Bräuhaus reservieren.
2012 – ein spannendes Jahr für regional agierende Brauereien
Sicherlich lässt sich auch 2012 die Präsenz des Schnäppchenjägers im Handel und in der Gastronomie, der nur auf den Preis schaut, nicht wegdiskutieren. Fakt ist, dass die Schere zwischen preisorientierten Verbrauchern und denjenigen, die Qualität suchen und auch bereit sind, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen, weiter auseinander gehen wird. Entscheidend für die Vielfalt im deutschen Biermarkt wird sein, dass regionale Brauereien – wie die Mitglieder der Freien Brauer – viele Verbraucher für ihre Bierspezialitäten begeistern und gewinnen können. In einem Punkt sind sich die befragten Mitglieder jedoch einig: „Edelbiere als Spezialitäten spielen bereits eine große Rolle und werden immer mehr an Bedeutung im Markt gewinnen. Hier wird die Frage sein, wie groß diese Märkte in Zukunft sein werden und wie glaubwürdig einzelne Brauereien diese Konzepte vermarkten“, resümiert Ulrich Beuth, Marketingleiter der Flensburger Brauerei. Die Beispiele aus den Reihen der Freien Brauern zeigen, dass die Weichen in allen Belangen auf Wachstum und glaubwürdige, nachvollziehbare Konzepte gestellt sind.
Die Freien Brauer
Die Vielfalt der Bierkultur hat Tradition in Europa. Sie zu erhalten, ist das Ziel der Freien Brauer, einem Zusammenschluss von 38 führenden, unabhängigen Familienbrauereien in Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Die Traditionshäuser mit ihren zahlreichen Bierspezialitäten sind wichtige Garanten für die Biervielfalt in ihren Ländern. Mit ihrem Engagement in Kultur und Sport tragen sie dazu bei, dass ihre Heimatregion für Einheimische und Besucher attraktiv bleibt. Darüber hinaus sind sie beispielsweise als Arbeitgeber und Ausbildungsstätte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor an ihrem Standort.
Die Mitglieder der Freien Brauer arbeiten bereits seit 1969 in der vormals Deutschen Brau-Kooperation zusammen. Die Freien Brauer verstehen sich als der führende Verbund unabhängiger Familienbrauereien. Ihre Mitglieder repräsentieren rund sechs Millionen Hektoliter Bier und bilden knapp 200 Lehrlinge in technischen und kaufmännischen Berufen aus. In den letzten drei Jahren investierten diese Brauereien insgesamt etwa 95 Millionen Euro in ihre Betriebe. Die Tätigkeiten der Freien Brauer konzentrieren sich insbesondere auf den gemeinsamen Einkauf, den Erfahrungsaustausch der mittelständischen Familienbrauereien, die gemeinsame Entwicklung oder die gemeinsame Planung von Abfüll- und Logistikkonzepten. Darüber hinaus bieten Die Freien Brauer verschiedene Dienstleistungen im Versicherungsbereich an. Weitere Betätigungsfelder sind gemeinsame Schulungen und Seminare sowie die Realisierung von Gastronomiekonzepten.
Weitere Informationen gibt es unter www.die-freien-brauer.com .