Donnerstag, 21. April 11
Kategorie: Hersteller
Von: nf
Mehrwegallianz hofft auf politische Vernunft und Umsetzung gesetzlicher Regelungen
Fakten und Perspektiven
- Marktmacht verzerrt den Wettbewerb
Discounter reissen immer großere Marktanteile, zumindest bei den Massenprodukten an sich und verschaffen sich Marktmacht. Gleichzeitig entwickeln sich auf Seiten der Hersteller immer größere Einheiten um sich zu behaupten. Die Interessenlage dieser Marktteilnehmer ist überregional geprägt, das Handling in großflächigen Märkten und der Rücktransport von voluminösem Leergut ist auf größere Entfernungen ein erheblicher Kostenfaktor, die Sympathie für echtes "Mehrweg" eher gering.
Kleine und mittelständische Betriebe, Hersteller wie Händler, hingegen konzentrieren sich hauptsächlich auf regionale Absatzmärkte, damit kommen die Vorteile des bewährten Mehrwegsystems im vollem Unfang zum Tragen. Nebenbei bedeutet das auch schonender Umgang mit Resourcen. Arbeitseinkommen, Steuereinnahmen und Konsumausgaben bleiben im regionalen Kreislauf.
- Ein contraproduktives Gesetz
Einweg geht wohl zu Lasten von Umwelt, Energieverbrauch und Klima, das wird seit langem diskutiert. Das Pflichtpfandgesetz von 2003 sollte eigentlich das bewährte Mehrwegkonzept retten und stabilisieren. Viele Ausnahmen sorgen für totale Verwirrung, auch mit der Ergänzung 2006 und der Novelierung 2008 wurde es für die Verbraucher kaum verständlicher. Der Gesetzgeber ist natürlich nicht unfehlbar, es wird immer auch dumme Gesetze geben. Betrachtet man Absicht und Ergebnis ist das zur Einführung des Pflichtpfandes (Dosenpfand) wohl eines der dümmsten geworden.
Damals die Absatzentwicklung von Einweggebinden durch eine Herstellerabgabe in sinnvolle Bahnen zu lenken wurde leider versäumt. Durch die Pflichtpfandregelung wurde Einweg für die Discountschiene sogar noch attraktiver, heute wollen viele schon kein Mehrweg mehr führen. Jetzt nochmal das Rad zurückzudrehen und doch noch eine Abgabe für Einweg einzuführen wird ungleich schwieriger.
- Regionalität ist sexy
Kleine und mittelständischen Betriebe spüren ihre Verantwortung unmittelbar, engagieren sich in der jeweiligen Region, was ja auch meist Basis ihrer Existenz ist. Für die Politik müßte das eigentlich hohen Stellenwert haben! Doch die Interessen der großen und überregionalen Player rücken, durch intensive Lobbyarbeit, mehr und mehr in den Vordergrund.
Tiefpreismarketing und ruinöser Preiskampf der Discountschiene kompensieren teilweise steigende Belastungen durch Abgaben und Steuern. Langfristig ist das volkswirtschaftlich sicher nicht optimal. Von Wahl zu Wahl gedacht ist das für Politiker doch ein begrüßenswerter Nebeneffekt. Es ist nicht verwunderlich, daß die Regelungen zur Stützung von Mehrweg seitens der Politik nur halbherzig umgesetzt werden. Auch wenn es genügend politische Lippenbekenntnisse pro Mehrweg gibt, zählt doch nur was tatsächlich auch realsiert wird.
- Pfandflasche = Mehrweg? Gewollte Verbrauchertäuschung?
Viele Verbraucher erkennen nicht mehr den Unterschied zwischen Mehrweg und Einweg. Die Kennzeichnung der Flaschen ist oft irreführend und soll dem Verbraucher das Gefühl vermitteln es würde sich dabei um echtes Mehrweg handeln. Pfand war Mehrweg, das hatte sich jahrzentelang ins Bewußtsein eingebrannt. Jetzt ist das aber nicht mehr zwangsläufig so. Pfand ist meist sogar Einweg, denn diese Flaschen werden nicht immer wieder neu befüllt sondern nach der Rückgabe in kleine Teile zerfetzt und großteils als Rohstoff für Bekleidung, Spielzeug oder Gartenstühle nach China transportiert und landet dann im zweiten Leben oft doch als Plastikschrott im Müllbehälter.
- Allianz für Mehrweg braucht mehr Mitstreiter!
Nun haben sich pro Mehrweg orientierte Verbände auf eine gemeinsame Position verständigt und ein richtungsweisendes Positionspapier vorgestellt. Die Politik wird an ihre Zusagen erinnert und die Umsetzung vorhandener, überfälliger Regelungen eingefordert. Die Interessenlage ist klar, aber der Allianz fehlen viele wichtige Mitstreiter. Wo bleiben die kleinen und mittleren Fruchtsafthersteller, Mineralbrunnen, Molkereien, etc..
Auf ihre Branchenverbände können sie sich dabei nicht verlassen, diese müßten aufgrund ihrer Mitgliederstruktur gleichzeitig gegensätzliche Positionen vertreten, was natürlich nicht geht.
Vor allem gilt es Verbraucher als Verbündete zu gewinnen! Als Wähler haben sie die Schlüssel zu Politikerherzen, als Konsumenten zu den Händler-Herzen.
Dummerweise haben Verbraucher meist noch viele andere Sorgen, schwierig mit der Mehrwegproblematik im Bewußtsein on top zu bleiben und im Idealfall sogar zielgerichtete Unterstützung zu erhalten. Bleibt also noch der unterschwellige Zugang, die emotionale Schiene. Allein der Eisbär als Sympathieträger kann's nicht richten, da wird man sich schon noch mehr einfallen lassen müssen um entscheidende Resultate zu erzielen. Hier müssen alle Mehrwegbekenner ins Boot und gemeinsam rudern.
Regionale Fruchtsafthersteller, Mineralbrunnen und Brauerei könnten z.B. die Rückgabe ihrer Mehrweggebinde verstärkt in ihre Marketingkonzepte integrieren. Man könnte auch Gebinderückgabe mit Verlosungskonzepten und Couponaktionen verbinden damit den Nutzen für Verbraucher direkt spürbar machen. Nicht zuletzt auch in Verbindung mit dem Internet eröffnen sich da mannigfaltige Möglichkeiten. Die Getränkefachmarktschiene wäre dabei ein idealer Partner solche Aktivitäten mitzutragen.
- Perspektiven
Erst mal auf solche Denkansätze eingelassen kommen 1000 Ideen an die Oberfläche. Allein als "getraenke-post" haben wir davon schon einige Schubladen voll. Wer sich dafür interessiert kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen. Auch weitere Ideen und Vorschläge und Meinungen (auch gegensätzliche) sind stets willkommen.
Um Mißverständnissen vorzubeugen, ich will keineswegs die Discountschiene verteufeln, alle Vertriebskanäle haben ihre Berechtigung und müssen im Rahmen ihrer Möglichkeiten agieren. Dabei gilt es eben diese Möglichkeiten zu analysieren, sich auf die jeweiligen Position und Marktsituation einzustellen und das eigene Konzepte darauf abzustimmen.
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